
Steckt eure Organisation fest in trügerischer Sichtbarkeit?
Ein 5-Minuten-Selbsttest für Verbände, Gewerkschaften, NGOs und andere zivilgesellschaftliche Akteure
Viele Organisationen sind durchaus sichtbar: in Medien, Social Media und Debatten. Und trotzdem bleibt politische Wirkung oft aus.
Diese Checkliste hilft euch zu prüfen, warum das so ist und wo ihr strategisch nachschärfen könnt. Für alle die merken: Wir sind sichtbar, aber politisch kommt zu wenig in Bewegung.
Anleitung:
Geht die Aussagen durch und kreuzt gedanklich ehrlich an: Was trifft auf euch zu?
Je mehr „Ja“, desto wahrscheinlicher seid ihr sichtbar, aber politisch zu wenig wirksam.
Frame: Worüber reden wir eigentlich?
Was trifft auf euch zu?
☐ In unseren Pressemitteilungen und Statements geht es häufig um die technische Umsetzung, Verfahren oder Finanzierung von Maßnahmen, nicht um politische Prioritäten.
☐ Wir übernehmen oft die Begriffe und Deutungsrahmen aus Ministerien, Gesetzentwürfen oder Koalitionspapieren („Modernisierung“, „Effizienz“, „Vereinfachung“).
☐ Wir kritisieren Details, aber stellen selten die Grundentscheidung oder die politische Richtung infrage.
☐ Unsere Kernbotschaften könnten genauso gut von einem unabhängigen Sachverständigen oder aus einem Fachreferat des Ministeriums wie von einer politischen Organisation stammen.
☐ In Interviews oder Zitaten sagen wir eher, was schwierig ist, als was politisch anders entschieden werden müsste.
Warnsignal: Ihr kommuniziert im Verwaltungs-Frame, nicht im politischen Konflikt-Frame.
Betroffenheit: Was folgt aus Empathie?
Was trifft auf euch zu?
☐ Wir arbeiten stark mit Fallbeispielen, Einzelschicksalen, O-Tönen von Betroffenen.
☐ Nach Berichterstattung mit emotionalen Geschichten gibt es keine erkennbare politische Reaktion und wir haken auch nicht systematisch nach.
☐ Unsere Forderungen bleiben oft allgemein („es braucht mehr Unterstützung“, „das muss besser werden“).
☐ Wir sagen selten explizit, welche konkrete Entscheidung dieses Leid verursacht oder verschärft.
☐ Unsere Kommunikation erzeugt eher Mitgefühl als politischen Rechtfertigungsdruck.
Warnsignal: Ihr erzeugt Aufmerksamkeit, aber keine Zumutung für Entscheider*innen.
Rolle: Wie treten wir öffentlich auf?
Was trifft auf euch zu?
☐ Wir kommen in Medien vor allem dann vor, wenn es Krisen, Engpässe oder Skandale gibt.
☐ Wir werden häufiger als Teil des Problemsystems (überlastet, unterfinanziert, am Limit) dargestellt als als politischer Akteur mit Forderungen.
☐ Unsere Expertise taucht oft als Hintergrundinformation auf, aber selten als klare politische Position.
☐ Wir reagieren überwiegend auf Anfragen, statt eigene Anlässe und Konflikte zu setzen.
☐ Unsere Organisation ist öffentlich eher als Dienstleister sichtbar denn als politische Stimme.
Warnsignal: Ihr seid präsent, aber nicht als machtbewusster Akteur.
Adressierung: Wen setzen wir unter Druck?
Was trifft auf euch zu?
☐ In unseren Veröffentlichungen bleibt oft unklar, wer konkret gemeint ist, wenn wir etwas fordern (Ministerium, Koalition, Land, Kommune, Fraktion …).
☐ Wir sagen selten explizit: Diese Entscheidung muss jetzt anders getroffen werden.
☐ Unsere Kritik ist so formuliert, dass niemand sich öffentlich rechtfertigen muss.
☐ Wir haben keine klare Strategie, ein Thema über Wochen oder Monate auf der Agenda zu halten.
☐ Nach einem Medienmoment gehen wir meist zum nächsten Thema über, statt den Konflikt zuzuspitzen.
Warnsignal: Ihr seid sichtbar, aber baut keinen konsequenten Entscheidungsdruck auf.
Intern: Wie strategisch steuern wir unsere Kommunikation?
Was trifft auf euch zu?
☐ Kommunikationsarbeit ist bei uns vor allem reaktiv (Anfragen, Termine, Anlässe von außen).
☐ Es gibt keine regelmäßig aktualisierte Antwort auf die Frage: Welches politische Thema wollen wir als Nächstes zuspitzen und warum?
☐ Kampagnen, Pressearbeit und Social Media laufen nebeneinander, aber nicht erkennbar auf eine Entscheidungsfrage zu.
☐ Wir messen Erfolg eher in Reichweite, Clippings oder Likes als in politischer Bewegung oder Reaktionen von Entscheider*innen.
☐ Intern gibt es öfter Diskussionen über Ton und Risiko, als über Macht, Konflikt und Durchsetzung.
Warnsignal: Kommunikation ist sichtbar, aber nicht machtstrategisch geführt.
Auswertung
0 bis 5 Häkchen: Eure Kommunikation ist wahrscheinlich schon recht gut auf politischen Druck ausgerichtet. Feinschliff lohnt.
6 bis 12 Häkchen: Ihr seid sichtbar, aber oft zu weich, zu reaktiv oder zu unklar adressierend. Viel Potenzial bleibt liegen.
13+ Häkchen: Klassischer Fall von trügerischer Sichtbarkeit: viel Aufwand, viel Präsenz – aber zu wenig politische Wirkung.
Die Schlüsselfrage zum Mitnehmen
Erhöht unsere Kommunikation für irgendwen den Preis des Nicht-Entscheidens
oder produziert sie vor allem Aufmerksamkeit ohne Konsequenzen?
Wenn ihr diese Frage nicht klar beantworten könnt, liegt das Problem ziemlich sicher nicht bei eurer Reichweite,
sondern bei der strategischen Zuspitzung.
Was tun, wenn ihr euch in mehreren Punkten wiedererkennt?
Dann steckt eure Organisation wahrscheinlich in dem, was ich „trügerische Sichtbarkeit“ nenne: sichtbar, aber politisch zu weich gerahmt. Gerne stehe ich euch für eine Reflexion der Ergebnisse zur Verfügung. Mit GKS Consult unterstütze ich Organisationen dabei, ihre Themen klarer zuzuspitzen, Verantwortung sichtbar zu machen und aus Aufmerksamkeit politischen Druck zu erzeugen.
Mehr Infos zu unserer strategischen Kommunikationsberatung
Oder direkt Kontakt aufnehmen und ein kurzes Sparring anfragen.
Checkliste als PDF
Möchtet ihr die Checkliste als Arbeits-PDF (zum Weitergeben im Team oder Ausdrucken)? Dann schicke ich sie euch gern per Mail zu, inklusive Einladung zu einem kurzen Sparring, wenn ihr die Ergebnisse reflektieren möchtet.
Gwendolyn Stilling
