Berlin. Fehlende Ausbildungsplätze, unbezahlbarer Wohnraum und frustrierende Erfahrungen im Bewerbungsprozess: Eine aktuelle Umfrage des DGB und der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg zeigt, was junge Menschen aus der Hauptstadtregion beim Einstieg in Ausbildung und Beruf beschäftigt. GKS Consult hat die Befragung realisiert.
Wie erleben junge Menschen den Weg in Ausbildung und Beruf? Was hilft ihnen bei der Orientierung und Ausbildungssuche? Und was brauchen sie, um ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten zu können? 162 Jugendliche und junge Erwachsene haben an der explorativen Jugendbefragung 2026 von DGB und DGB-Jugend Berlin-Brandenburg teilgenommen. Knapp zwei Drittel befinden sich bereits in Ausbildung, knapp ein Drittel geht noch zur Schule. Die Befragung ist nicht repräsentativ, liefert aber ein differenziertes Stimmungsbild und konkrete Einblicke in Erfahrungen, Probleme und Wünsche junger Menschen in Berlin und Brandenburg.
Die Ergebnisse wurden am 26. August 2026 bei einer Pressekonferenz des DGB Berlin-Brandenburg vorgestellt. Drei Befunde ziehen sich besonders deutlich durch die Befragung: Wohnen wird zur Ausbildungsfrage. Fehlender Respekt im Bewerbungsprozess demotiviert. Und junge Menschen wollen Sicherheit und verlässliche Perspektiven.
Wohnen wir zur Ausbildungsfrage
Das Thema Wohnen gehört zu den auffälligsten Befunden der diesjährigen Befragung. Knapp 80 Prozent der Befragten wünschen sich von der Berliner Politik mehr bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen. 57 Prozent sehen fehlenden bezahlbaren Wohnraum als einen Grund dafür, dass Jugendliche keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Mehr als die Hälfte empfindet die Berliner Mieten als zu hoch, jede*r Zweite berichtet von Schwierigkeiten, überhaupt passenden Wohnraum zu finden.
Wie konkret Wohnen, Ausbildung und Mobilität zusammenhängen können, zeigt die Erfahrung eines Teilnehmers: Während seiner Ausbildung suchte er rund ein Jahr lang nach einer eigenen Wohnung und bewarb sich auf mehrere hundert Angebote. Gerade einmal drei oder vier Mal wurde er zu einer Besichtigung eingeladen. Schließlich gab er die Wohnungssuche auf und blieb bei seinen Eltern wohnen. Zu seinem Ausbildungsbetrieb war er rund zwei Stunden unterwegs, bei Arbeitsbeginn um sechs Uhr morgens.
Ghosting im Bewerbungsprozess demotiviert
Eine bemerkenswerte Kontinuität zur DGB-Jugendbefragung des vergangenen Jahres zeigt sich bei den Bewerbungserfahrungen.
54 Prozent der Befragten mit Bewerbungserfahrung haben schon einmal überhaupt keine Reaktion auf eine Bewerbung erhalten. 58 Prozent mussten mehrere Wochen auf eine Antwort warten. Ein Drittel erhielt lediglich eine Eingangsbestätigung und hörte anschließend nichts mehr. Nur acht Prozent berichten von einer Absage mit persönlichem Feedback. Das bereits im vergangenen Jahr festgestellte Ghosting-Problem besteht damit fort.
Gleichzeitig zeigen die positiven Erfahrungen der Befragten, dass es auch anders geht. Schnelle Rückmeldungen, transparente Verfahren, freundliche Ansprechpartner*innen und Gespräche auf Augenhöhe werden ausdrücklich positiv hervorgehoben.
Junge Menschen wollen Sicherheit und Perspektive
Die Befragung liefert zugleich keinen Beleg für die verbreitete Behauptung, junge Menschen hätten grundsätzlich keine Lust auf Ausbildung. Unter den befragten Schüler*innen ist die Ausbildung sogar die am häufigsten genannte konkrete Option für die Zeit nach der Schule. Junge Menschen schauen jedoch genau darauf, unter welchen Bedingungen Ausbildung stattfindet.
62 Prozent nennen ein gutes Team und nette Kolleg*innen als besonders wichtig, 60 Prozent ein gutes Gehalt. Hinzu kommen Wertschätzung und Respekt, Sicherheit und Übernahmechancen sowie berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Dahinter steht ein nachvollziehbarer Wunsch: Junge Menschen wollen selbstständig leben und ihre berufliche Zukunft verlässlich planen können.
„Gute Ausbildung beginnt bei der Lebensrealität junger Menschen“, so fasst Gwendolyn Stilling die zentrale Erkenntnis der Befragung bei der Vorstellung der Ergebnisse zusammen. Ausbildungsplätze müssen nicht nur vorhanden sein. Junge Menschen müssen sie entdecken und erreichen können. Sie müssen von ihrer Vergütung leben und sich Ausbildung im wahrsten Sinne des Wortes leisten können. Und sie wollen als junge Menschen mit eigenen Vorstellungen von ihrem Leben und ihrer Zukunft ernst genommen werden. „Wer zukünftige Fachkräfte gewinnen will, muss Ausbildung aus der Lebensrealität junger Menschen heraus denken. Junge Menschen wollen und verdienen echte Perspektiven.“
Von der Befragung zur öffentlichen Debatte
GKS Consult begleitet die Jugendbefragung im Auftrag des DGB Berlin-Brandenburg bereits zum zweiten Mal. Zur diesjährigen Umsetzung gehörten die Erhebung und Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragungsdaten, die inhaltliche Verdichtung der Ergebnisse, die Erstellung und Redaktion des Ergebnisberichts sowie die Begleitung der Veröffentlichung bei der Pressekonferenz.
Der entstandene Ergebnisbericht „Ausbildung? Wohnen? Zukunft?“ verbindet die quantitativen Ergebnisse mit Stimmen und Erfahrungen der Befragten und leitet daraus Impulse für Politik und Unternehmen ab. Als Herausgeber zeichnen DGB und DGB-Jugend Berlin-Brandenburg verantwortlich; die Umsetzung erfolgte durch GKS Consult, Text und Redaktion durch Gwendolyn Stilling und Dr. Julius Zukowski-Krebs.
Breite Medienresonanz
Die Ergebnisse der Jugendbefragung fanden unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung breite mediale Resonanz.
Der Deutschlandfunk griff die Befunde ausführlich in seiner Campus-Reihe auf und berichtete über die Probleme junger Menschen bei der Ausbildungssuche. Die rbb Abendschau widmete dem Thema einen rund zweiminütigen Beitrag und verband Ergebnisse der Befragung mit konkreten Erfahrungen von Auszubildenden. Auch Brandenburg Aktuell und rbb Inforadio berichteten über die Ergebnisse. Die taz griff zahlreiche Zahlen und Stimmen aus der Befragung auf.
Die Resonanz zeigt dabei auch, wie stark gerade die Verbindung aus Daten, persönlichen Erfahrungen und klaren Botschaften funktioniert: In mehreren Beiträgen wurden nicht nur Ergebnisse der Befragung aufgegriffen, sondern auch die Erfahrungen der beteiligten jungen Menschen und O-Töne aus der Pressekonferenz.
Ergebnisbericht „Ausbildung? Wohnen? Zukunft?“
Jugendumfrage 2026 im Auftrag von DGB und DGB-Jugend Bezirk Berlin-Brandenburg
162 Jugendliche und junge Erwachsene | Berlin und Brandenburg | August 2026
→ Ergebnisbericht als PDF herunterladen
Weitere Informationen, die Pressemitteilung und Ergebnisse gibt es beim DGB Berlin-Brandenburg.
Impressionen von der Pressekonferenz







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