Ulrich Schneider zur Debatte um #WirVerlassenX

„Es war ein virtueller Rums.“ Bundesparteien und Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen und Linke informierten am Montag zeitgleich, dass sie ihre Aktivitäten auf der Plattform X einstellen. In einem Gastbeitrag für das Wirtschaftsmagazin Surplus argumentiert GKS-Kommunikationsstratege Ulrich Schneider gegen den Rückzug.

Die Macht dem Oligarchen überlassen

Schneiders zentrale These: Wer X kampflos verlässt, überlässt den Diskursraum jenen, die ihn ohnehin dominieren wollen. „Ohne wirkliche Not geben die drei Parteien im Bund ein nach wie vor wirkungsmächtiges Kommunikationsmittel aus der Hand.“

Schneider widerspricht dabei ausdrücklich nicht der Analyse, dass sich X unter Elon Musk massiv verändert habe. Im Gegenteil: „Die Plattform ist ohne Frage zum Tummelplatz von Troll-Accounts und rechten Propagandisten geworden.“

Gerade deshalb sei der Rückzug aus seiner Sicht strategisch problematisch, noch dazu vor den im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Denn politische Kommunikation und gesellschaftliche Auseinandersetzungen finden eben nicht nur dort statt, wo Bedingungen angenehm seien. „Statt ihre Gefolgschaft zu unterstützen, überlassen sie X allein der politischen Konkurrenz.“

Der Rückzug aus Diskursräumen

Der Beitrag berührt damit eine größere Frage, die auch für Organisationen, Verbände und soziale Akteure zunehmend relevant ist: Wann wird der Rückzug aus problematischen Kommunikationsräumen zum politischen Signal und wann zur Selbstschwächung?

Die Entscheidung sorgt seit Tagen für Diskussionen, auch innerhalb der eigenen politischen Milieus. So sind längst nicht alle Mitglieder und Untergliederungen ihren Bundesorganisationen gefolgt, viele äußern Unverständnis.

Der vollständige Gastbeitrag von Ulrich Schneider ist bei Surplus erschienen: „Der Rückzug aus X macht Musk und die Rechten noch stärker“ (Paywall)

Zum Weiterdenken

Vor zwei Jahren gab es eine erste Rückzugswelle aus X und schon damals wurde in Organisationen gerungen. Die Debatte betrifft nicht nur Parteien. Sie berührt grundsätzliche Fragen von Sichtbarkeit, Reichweite, Gegenrede und strategischer Kommunikationsfähigkeit unter Druck.

Wie kommuniziert man strategisch in Plattformlogiken, die man gleichzeitig kritisch sieht? Und was passiert, wenn Diskursräume aufgegeben und Rechten überlassen werden, bevor es Alternativen gibt?

Mit genau solchen Fragen beschäftigt sich auch GKS Consult in der Arbeit zu Kommunikation unter Druck, Diskursmacht und „trügerischer Sichtbarkeit“.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert